Ein Häuschen im Grauen.

Philipp Haselwanter
Roland Maurmair



Zwischen Traum und Albtraum; eine Annäherung an das unendliche Thema vom Leben auf begrenztem Raum.
(Aus einem Text von Roland Maurmair)



Welcher Stadtmensch träumt nicht von einem Häuschen im Grünen?
Und das nicht erst seit sich unsere urbane Lebenswelt fortschreitend als technisiert, automatisiert, schnell und
virtuell offenbart. Wir erschließen zwar neue virtuelle Räume und digitalisieren gleichzeitig unsere reale Lebens-
welt mit der Intention, sie damit zu bewahren, vergessen dabei aber auf die Wahrnehmungswirklichkeit der all-
täglichen, realen Umgebung. Gleichzeitig verwahrlosen die Städte zu einer, der motorisierten Bewegung unter-
worfenen Konstruktion aus Transiträumen, deren fahle Ausstrahlung uns kein Zuhause offenbart. Die Flucht
vorm Alltag endet zunehmend im Medialen und Virtuellen, wo wir glauben ein neues Zuhause für uns entdecken
zu können.
Ebenso begeben wir uns nach wie vor gerne in „Pause–Zonen“, wie Gärten oder in Parkanlagen, die uns so
sehr Erholung und Regeneration anbieten, dass dies auch wirklich stattfindet. Es scheint zu genügen, sogar
zu gelingen, dass es eine durch Landschaftsarchitekten gemachte Natur ist, in die wir uns setzen. Der Aufenthalt
in dieser künstlich geschaffenen Pseudonatur, die sich uns als ein „authentisch“ lebender Raum darbietet, hat sich
als Alternative zur Ungastlichkeit1 des urbanen Betondschungels behauptet.
Ist es die Anonymität der Stadt, die dem Grauen eine Chance bietet, sich auszubreiten und vor dem wir die Flucht
ins Natürliche und Ländliche antreten?
Nicht erst seit die Aktivitäten von Franz Fuchs und Herrn Fritzl öffentlich wurden, wissen wir, dass auch das Land
die kranken Geschichten verbirgt, dass in den Kellern der Vorstadthäuser nicht nur Kartoffeln und Wein gelagert
werden und, dass im Schutz der netten Nachbarschaft so einiges verborgen bleibt. Die Stadt-Land Dichotomie
scheint in diesem Fall nicht ganz zu greifen. Einerseits verfallen wir dem Charme des Ländlichen. Andererseits
müssen wir zugeben, dass es die Stadt ist, die uns die Potentiale bietet, die uns das Land nicht zu bieten vermag.
Ähnlich paradox verhält es sich mit der Idylle und dem Grauen.
Zuweilen bereitet uns das Grauen sogar Vergnügen, wir holen es uns nach Hause, denke man wiederum an die
Medien, die uns tagtäglich mit Schreckensnachrichten am Laufenden halten oder an die Gewalt verherrlichenden
Filme und Videospiele, die wir konsumieren. Aggression, Hass, Gewalt und Terror scheinen genauso zum Mensch-
sein zu gehören, wie die Liebe oder die Sehnsucht nach Frieden.
Neben dem Aufenthalt in den besprochenen realen, wie virtuellen Erholungsarealen gestalten wir uns ein Zuhause,
wo wir uns eine Idylle generieren, die immer wieder wie eine Seifenblase zu platzen droht. Bedingt durch den
jüngsten Wirtschaftscrash offenbart sich eine Tendenz zu einer neuen biedermeierischen Häuslichkeit. Es bleibt
zu hoffen, dass bei diesem Rückzug in die eigenen vier Wände eher Ikeamöbel zusammengebaut werden anstatt
Bomben.

Wo ist das Heim, das uns vor dem Grauen schützt?

Ist es im Mutterschoss, dem Ort wo noch alles in Ordnung ist und dieser, mag man meinen, entspräche einem
perfekten Zuhause? Der erste Schock ist die Geburt. Einmal hinausgepresst in eine kalte, grelle Welt versuchen
wir uns zu orientieren und suchen uns eine neue Bleibe. Auf dem Weg dorthin steht uns der Sinn nach Ordnung.
Wir brauchen verlässliche Muster und Instrumente zur Wirklichkeitsinterpretation. Wir teilen ein, verzeichnen,
speichern und sortieren. Wir benennen, bestimmen und kategorisieren. Wir beherrschen;
Die Natur in Form von Topfpflanzen, Parkanlagen und Tiergärten, bis hin zur Gentechnologie gelingt uns
Menschen heutzutage die Landnahme, die in metaphorischer Betrachtung auch einer Kultivierung der
Gewalt verdeutlicht.
Diese versuchte Zähmung zeigt auch die dialektische Position, in der sich die Natur und die Kultur befinden.

1 Vgl. MITSCHERLICH, Alexander: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden.
Frankfurt/ Main 1965



􀀀 CURRICULUM VITAE mag.art Philipp Haselwanter 􀀀

Geboren 4.11. 1975 in Innsbruck
aufgewachsen in Natters
Matura, Bundesheer,
Studium an der Akademie der bildenden Künste
Malerei u. Grafik bei Gunter Damisch.
Lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Wien

Ausstellungen (Auszug):
2009 Area 53/Wien
Sputnic architektur/Wien
Galerie Stalzer /Wien
2008 Galerie Goldener Engel /Hall in Tirol
Sonderschau Junge Kunst/ weder Äpfel noch Birnen/ Art Innsbruck
AREA53 Wien
2007 UNO/ New Orleans
Fresh Trips - Kunstraum Innsbruck
AREA53 Wien
SWINGR Wien
Hotel Pupik Stmk
2006 TAFKAG Oslo
AREA53
Radiostation - Kunstraum Innsbruck
ca. 1000m2 Tiroler Kunst - Kunstraum Innsbruck
2005 SWINGR Wien
Galerie Goldener Engel /Hall in Tirol
2003 A Christmas Selection - Siemens_artLab, Vienna
2003 Galerie Goldener Engel /Hall in Tirol
2003 Weiss blaue Galerie, Zwettl
2001 Galerie 422 JUNGE FIGUREN - Galerie 422, Gmunden
2000 Hommage an Louise Bourgeois
Kupferstichkabinett Akademie der Bildenden Künste Wien
1999 Klaus Engerthus, Wien
1997 Art-cult, Tabakmuseum Wien


􀀀 CURRICULUM VITAE ROLAND MAURMAIR 􀀀
1975 geboren in Innsbruck, Österreich
lebt in Wien (A)

Ausbildung
1996 Matura BORG Innsbruck
1996-04 Universität f. angewandte Kunst Wien
Visuelle Mediengestaltung (Prof. Weibel, Gastprof. Dudesek, Prof. Fürstner)
2004 Diplom Visuelle Mediengestaltung / (Mag.art.)
2005-07 Leitung des Vereins medien.kunst.tirol
2008-09 Universität für Bodenkultur Wien
2009 Promotion, Universität f. angewandte Kunst, Institut für Kunst & Wissenstransfer / (Dr.phil.)
(Prof. Christian Reder, emer.O. Prof. Konrad Köstlin)
Preise, Stipendien
1998-99 Stipendium an der Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam Niederlande
2003-06 Artist in Residence Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck
2004 Arbeitsstipendium in Paliano bei Rom, Italien
2005 Arthur Haidl Preis der Stadt Innsbruck
2005 Forschungsstipendium Universität für angewandte Kunst Wien
Einzelausstellungen (Auswahl)
2009 "Rabbitism" Eikon SchAUfenster, quartier 21/MQ, Wien
2009 "heavy-G-rain"; Tag des Denkmals, alte Mühle / Neuhofen an der Krems
2008 "adventures in 2D"; Galerie 39 Dada / Wien
2006 "Dandelion"; Swingr / Wien
2005 "Return of Django"; Kunstraum / Wien
2004 "Attacke!"; Café Corso - Herbert Fuchs Räume / Innsbruck
2004 "Schlechter Empfang"; Stadtturmgalerie Innsbruck
2003 "Landcruiser"; Kunstraum Innsbruck
1999 "Die neue Belanglosigkeit"; Andechsgalerie Innsbruck
1998 "Digital Dirt"; Rudkoping / Dänemark
1996 "Ich, mein Revolver, gerichtet auf mein Genick"; Performance (R. Maurmair / A. Pronegg);
Siebenkapellenareal Innsbruck
neueste Publikationen/ Releases:
PRINT:
Fresh Trips Contemporary Art Aspects
ISBN: 978-3-85256-507-1
Herausgegeben von Stefan Bidner, Roland Maurmair, medien.kunst.tirol / Folioverlag Wien, Bozen 2009
Louisiana uber alles (Katalog P.Haselwanter / R. Maurmair) 500 Stück
Herausgegeben von Kulturamt Stadt Innsbruck, Haselwanter, Maurmair 2
008 SWINGR raumaufzeit
ISBN: 978-3-902612-22-9
Herausgegeben von V.R.I.K. (Verein zur Realisierung interdisziplinärer Kunstinitiativen)
Bucher Verlag, Hohenems 2007
UN SPACE (Katalog zum Festival für digitale Kunst und Kulturen)
ISBN: 978-3-9502372-1-4
Herausgegeben von Günther Friesinger & Judith Fegerl
edition mono / monochrom Wien 2007
Ca. 1000m2 Tiroler Kunst
ISBN: 978-3-7082-3223-2
Herausgegeben von Kunstraum Innsbruck / Stefan Bidner , Skarabäus-Verlag Innsbruck 2007
Lin-c Heft für Comics und Bildliteratur
ISSN: 1815-1612 / Herausgegeben von Gottfried Gusenbauer www.lin-c.net, Linz 2006
Der soziographische Blick
ISBN 10:3-86560-121-9 / ISBN 13: 978-3-86560-121-6
Herausgegeben von Kunstraum Innsbruck / Stefan Bidner
Verlag der Buchhandlung Walther König / Köln 2006
Art Clips (ch,at,de) (DVD)
ISBN: 3775718990
Herausgegeben von ZKM Karlsruhe / Hatje Cantz Verlag 2007
RABBITISM (DVD) Limited edition of 30
Performance-Video / Roland Maurmair, Wien 2007
Between the stream (DVD) Musicvideo Compilation
ISBN: 978-3-9501005-7-1
Herausgegeben von medien.kunst.tirol - Roland Maurmair Innsbruck 2007
Innsbruck Land Tyrolean Music Compilation Serie (limitierte Vinyl Editionen; 15 x 300 Stück)
Herausgegeben von medien.kunst.tirol - Roland Maurmair, Innsbruck 2006/07
Herausgegeben von Roland Maurmair / Eigenverlag Innsbruck 2006
Radiostation (DVD) limited Edition of 200
ISBN: 3-9501005-6-3 / 978-3-9501005-6-3
Herausgegeben von medien.kunst.tirol - Roland Maurmair Innsbruck 2006