Maja Vukoje

Eröffnung 15.3.2000, 19 h. Einführende Worte von Michaela Rapp.
Dauer der Ausstellung bis 14.4.2000


Ausgangspunkt der Malerei Maja Vukojes sind fotografische Arbeiten, die durch den malerischen Prozess eine Verfremdung erfahren. Bereits 1995 entstanden die ersten Serien mit Puppen. Im Laufe der Zeit vollzog die Thematik eine deutliche Entfernung vom Narrativen, die sich auch in einer maltechnischen Veränderung niederschlug, welche zu einer wesentlich reduzierteren, beinahe monochromen und stärker auf das Innere konzentrierten Arbeitsweise führte.
Die Äußerlichkeiten wie Kleidung, Haare oder Bemalung der Puppen sind nur mehr von geringer Bedeutung, meist sind sie nur leicht angedeutet oder gar nicht abgebildet. Die Beschaffenheit der Schatten dagegen, die sich hier und da wie feine, jedoch mitunter auch erschütternd grobe Verletzungen auf dem Körper verteilen, steht nun im Vordergrund. Diese formale Ambivalenz zeigt sich auch inhaltlich in der gleichzeitigen Verletzbarkeit und Introvertiertheit der Puppengesichter im Gegensatz zu ihrer suggestiven Dominanz, dieser nahezu gewaltsamen Vereinnahmung des Betrachters, die ihn zunächst zurückschrecken und nicht selten mit Abwehr reagieren läßt.
Das Wissen um die "angeborene" Passivität einer Puppe, die sich nicht selbst bewegen kann, bringt einen weiteren, einen gewissermaßen mechanischen Aspekt ins Spiel, der schon früher Thema in Maja Vukojes Malerei war - den des Golem und somit der jahrtausende alten Tradition, dem Menschen ein Abbild schaffen zu wollen, als aktivem Gegenpol, den letztlich auch der Betrachter selbst beisteuert.
Der Bildausschnitt hat sich auffallend verkleinert. Der Abstand, den der Betrachter nur scheinbar selbst zu wählen glaubt, ist beinahe erschreckend zusammengeschrumpft auf eine verunsichernde Nahsicht, die sich auch bei der Bemühung, sich vom Bild zu entfernen, bei dem Bestreben, einen Sicherheitsabstand zwischen sich und das Motiv zu bringen, nicht wirklich verringern läßt.
Wesentlich für alle Puppen Maja Vukojes ist der Umstand, daß dem Objekt durch die malerische Umsetzung psychologische Qualitäten gegeben werden, die die Grenzen zwischen Mensch und Puppe teilweise völlig verschwimmen lassen. Die fließenden aquarellartigen Übergänge, die sich gleichsam wie ein "Vlies von Berauschtheit" vor das Auge des Betrachters legen, ermöglichen ebenso das Erblicken eines Kindes - des Kindes als Puppe, der Puppe als Kind, des Kindes in Maja, des Kindes in uns. Und hier gelangt man von neuem zum Schaffenskern, um den sich in den Arbeiten Maja Vukojes alles dreht - zum Selbstportrait, zur Essenz der Empfindung, zu dem Kind im Menschen als der Darstellung größtmöglicher Reduktion auf das Wesentliche. Die Verletzbarkeit der Identität wird im Blick auf die Puppe als Spiegel zurückgeworfen auf uns selbst.

VUKOJE Maja •