Klaus Pinter, „Extrakte

Eröffnung 20. September 2000, 19 h. Lesung aus dem Gästebuch einer Ausstellung
Dauer der Ausstellung: bis 20.10.2000

In Klaus Pinters "Wiener Mischung" in der historistisch-dekorativ ausgestatteten Hermesvilla, Kaiserin Elisabeths Privatvilla, wurden 250 Objekte aus dem Museumsdepot und die 1886 fertig gestellte Architektur mit verschiedenen Einbauten des Künstlers verbunden, in dem er beispielsweise ein monumentales Makart-Gemälde durch einen Eingriff verdeckte oder ein pompöses Deckenornament anhand einer Spiegelkonstruktion in die Raummitte projizierte. Anders als in der "Wiener Mischung" stellen sich die Extrakte durch eine "Umschüttung" in den Galerieraum einem neuen Kontext. Durch den nunmehr als "neutrales Gefäß funktionierenden Schauraum" (U.M.Probst) ergeben sich veränderte, unerwartete und neue inhaltliche Aspekte.
Während der historische Kontext in der Hermesvilla ein beinahe übermächtiger war, wird in der Galerie Edition Stalzer, die sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst widmet, diese Komponente zurückgenommen zugunsten einer Konzentration, die letztlich auch aus der "Enge" und Reduziertheit des Galerieraumes im Gegensatz zur musealen Situation der Hermesvilla entsteht. Es bleibt offen, wie sich das "Skulpturen-Gefüge" in diesem neuen Kontext wandelt und ob sich bezüglich des Zuganges für den Betrachter andere Möglichkeiten und Blickwinkel ergeben. Durch die Reduktion des im speziellen Fall der Hermesvilla legendenumrankten Momentes, können jene "Extrakte", die der Ausstellung ihren Titel geben, in erheblich konzentrierter Form eingebettet werden in das neue räumliche Umfeld und lassen eine gleichsam "wuchernd-wachsende" Materie entstehen, innerhalb derer sich die Komponenten - vegetabile Leuchtschnüre, Drahtgeflechte und Folienbahnen - wie in einem Gewächshaus mehr und mehr verdichten.
Der aufgrund einer Museumsbespielung entstandene, vergleichsweise hermetische Abschluß der "Wiener Mischung" wird in der Ausstellung Extrakte ausbleiben, da sich schon aus der räumlichen Nähe zum offenen Ort der Siebdruckwerkstatt ein ständiger Durchfluß von schaffenden, nicht ausnahmslos rezipierenden Personen ergibt. In diesem Zusammenhang entstand - aufgrund einer seit langer Zeit bestehenden "Arbeits-Freundschaft" des Künstlers Klaus Pinter mit dem Drucker Andreas Stalzer - beiderseitig der Wunsch, dieser Ausstellung eine neue Perspektive durch die Integration neuer Arbeiten zu geben, die speziell für diesen Anlaß entstanden sind: Die Architektur der Hermesvilla, also der historische Kontext rund um die Person Kaiserin Elisabeths, wird durch ein isoliertes Deckenmotiv (welches das Monogramm Sissi's darstellt), in Siebdruck umgesetzt und an die Wände der Galerie tapeziert, so daß durch diese Übertragung in einen kleineren, weitgehend neutralen Raum die Wurzel der Ausstellung Extrakte also wieder - wie für Pinter charakteristisch - in der Verknüpfung historischer Bildelemente mit Pinters zeitgenössischer Bildsprache liegt.

PINTER Klaus •